Keine Jahrestagung des Evangelischen Bundes

Die Jahrestagung des Evangelischen Bundes kann auch in diesem Jahr nicht stattfinden. Zwar lassen die Corona-Schutzmaßnahmen bei steigender Anzahl Geimpfter auch größere Veranstaltungen zu, aber sehr viele Menschen sind zurückhaltend. Gleichzeitig steigen Ansteckungen, und niemand kennt die Lage Anfang Oktober. So haben wir uns entschlossen, die Jahrestagung abzusagen. Zugleich planen wir das Thema in anderer Weise anzubieten.

Alle, von denen wir wie Anmeldung erhalten haben, haben wir angeschrieben. Sollte jemand keine Post erhalten, melde er oder sie sich bitte in unserer Geschäftsstelle (Kontakt siehe unten).

Das holen wir in anderer Form nach

„Hier stehe ich – allein?“ zielt auf das Thema Individuum und Gemeinschaft in den Konfessionen. Und wir möchten uns alle gern in Worms sehen, genau 500 Jahre nach Martin Luthers mutiger Entscheidung, nicht zu widerrufen. Es ist übrigens die 112. „Generalversammlung“ seit der Gründung des Evangelischen Bundes 1886.

Glaube wird immer mehr zur Privatsache. Das ist eine viel geäußerte These, die vor allem in westlichen Gesellschaften Zustimmung erhält, aber durchaus auch in Frage gestellt wird.
Die Entwicklung eines solchen Individualismus wird oft pauschal aus der Reformation hergeleitet – Luthers Verweis auf sein Gewissen vor dem Reichstag in Worms 1521 steht exemplarisch dafür. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt: Das Individuum wurde immer auch als Teil eines Kollektivs gesehen – bis heute. Und andererseits geht das Individuum auch in anderen Zeiten und anderen Kulturen nie völlig im Kollektiv auf. Individuum und Kollektiv standen immer schon in einem spannungsvollen Verhältnis. Verschiedene, aufeinander bezogene Pole dieses Spannungsverhältnisses hat etwa Martin Luther festgestellt: Ein Christen-Mensch sei „ein freier Herr über alle Dinge“ und zugleich „ein dienstbarer Knecht aller Dinge“. Folgende Fragen werden uns bei der Jahresversammlung leiten:
• An welchen Stellen tritt die Spannung zwischen beiden Polen in verschiedenen Konfessionen zutage?
• Wie können wir heute mit dieser Spannung kreativ und zukunftsweisend umgehen?
• Welche Auswirkungen haben Individualisierung und Pluralisierung auf die Stabilität der Kirchen, ihre institutionelle Verfasstheit und das Verhalten ihrer Mitglieder?
• Begreifen Kirchen die Individualisierung als Bedrohung oder als Chance?

(Freitag | 08.10.2021)
11.00 Uhr Mitgliederversammlung des Evangelischen Bundes
13.00 Uhr Mittagsimbiss
14.00 Uhr Begrüßung
14.15 Uhr Hauptvortrag 1: Religionssoziologische Wahrnehmungen von Individualität und Gemeinschaft in Religion und Religionen |
Prof. Dr. Gert Pickel, Leipzig
14.50 Uhr Hauptvortrag 2: Historische Aspekte von Individualität und Gemeinschaft im Protestantismus | Prof. Dr. Markus Wriedt, Frankfurt
15.25 Uhr Gespräch mit beiden Referenten
16.20 Uhr Workshops
• Freiheit von/Freiheit für | Prof. Dr. Johanna Rahner
• Taufverständnis/Sakramentsverständnis | Dr. Dr. Joseph Önder
• Digitalisierung | Dr. Arndt Schnepper
• Entkirchlichung/Enttraditionalisierung: Wozu brauchen wir noch Kirche? Prof. Dr. Sandra Bils
17.30 Uhr Podiumsgespräch
19.00 Uhr Rheinhessischer Abend

(Samstag | 09.10. 2021)
9.00 Uhr Bibelarbeit
10.30 Uhr Update Ökumene |
Ökumenischer Lagebericht des Konfessionskundlichen Instituts
13.00 Uhr Mittagsimbiss
15.00 Uhr Exkursionen
• Stadtführung Jüdisches Worms
• Kostümführung auf den Spuren Luthers
• Führung durch die Ausstellung: Hier stehe ich
• Liebfrauenkirche – Gotik im Weinberg
• Besuch Dominikanerkloster
Abend: zur freien Verfügung, Abendessen jeweils
selbst organisiert

(Sonntag | 10.10.2021)
10.00 Uhr Abschlussgottesdienst in der Friedrichskirche | Römerstraße 72-80

Ansprechpartnerin für Ihre Fragen:
Tanja Noé | 06251.843313 |
tanja.noe@evangelischer-bund.de