Wenn Luther die Käthe nicht geheiratet hätte (2)

Hätte Martin Luther seine Käthe nicht geheiratet, dann sähe das eine oder andere Detail der Reformation möglicherweise ein wenig anders aus. Ohne seine Frau Katharina wäre Martin Luther möglicherweise ein Mönchs-Professor geblieben, vielleicht frei von den Gelübden, aber auch unbeweibt. Wie bekannt ist, wollte er sie zunächst gar nicht, und sie ihn wohl auch nicht. Dann wäre er ein schlecht bezahlter Gelehrter geblieben, ohne das nötige Geld seine Druckschriften zu finanzieren. Es hätte das Studentenwohnheim nicht gegeben, das, wie andere Unternehmungen, nicht nur Geld einbrachte, sondern auch jede Menge Gesprächsstoff für die berühmt gewordenen Tischreden bot. Vor allen Dingen gäbe es das Modell für Pfarrhaus und die Pfarrfamilie nicht, die über Jahrhunderte bis in kleine Dörfer die Kultur prägten.

Eine entscheidungsfreudige Geschäftsfrau

Denn die entlaufene Nonne, Katharina von Bora, war nicht nur gebildet, sondern offensichtlich auch sehr entscheidungsfreudig und tatkräftig. Anders als ihr Professoren-Ehemann hatte sie ein Händchen fürs Geld, sorgte für Wohlstand im Hause Luther und betreute die Finanzierungen der Drucklegungen der Schriften ihres Ehemanns. Und diese waren zahlreich und legten den medialen Grundstein für die Reformation in Europa.

An den Tischgesprächen, wo viele theologische Themen auf den Tisch kamen, soll auch Katharina die Diskussion bereichert haben. Wir wissen heute nicht mehr, welche Gedanken sie beigetragen hat, denn die Diskussionsbeiträge einer Frau, die noch nicht einmal Theologie studiert hatte, konnten zu damaliger Zeit nicht aufgehoben werden. Wenn Katharina jedoch auch bei Tisch so aufgetreten war, wie sie sonst den Hausstand regierte, dann mag es beeindruckend gewesen sein. Denn im Hausstand bei Luthers in Winterberg regierte „mein Herr Käthe“, wie Luther seine Ehefrau liebevoll nannte.

„Lieber Herr Käthe“

Von Martin Luther ist der Ausspruch überliefert: „Während ich hier mein gut Wittenbergisch Bier trinke, geht das Evangelium wie ein Platzregen über die Erde.“ Was der Reformator so forsch und fromm verschweigt: das Bier hat seine Frau Käthe gebraut. Am 29. Juni 1534 schrieb Luther aus Dessau an seine Frau: „Gnade und Fried in Christo. Lieber Herr Käthe! … Gestern hatt ich einen bosen Trunk gefasset: da mußt ich singen. Trink ich nicht wohl, das ist mir leid, und thäts son recht gerne, und gedacht, wie gut Wein und Bier hab ich daheime, dazu eine schone Frauen oder (sollt ich sagen) Herren.“

Als tüchtige Geschäftsfrau ermöglichte Katharina dem vielbeschäftigen und mittlerweile weltberühmten Mann, frei von finanziellen Sorgen, sein reformatorisches Anliegen voranzutreiben. So betrieb sie das Studentenwohnheim mit bis zu vierzig Bewohnern. Sie kümmerte sich um Krankenstation und Kinderhort, um die Gutsverwaltung mit Hühnern, Ziegen, Kühen und Pferden, mit Fischteichen, zeitweise drei großen Gärten, um den Anbau von Getreide und Pfirsichen. Und sie verwaltete die Brauerei des ehemaligen Klosters.

Bei Luthers sollen allerdings auch die Fetzen geflogen sein. Ob dies die Reformation beflügelt oder eher behindert hat, lässt sich nur schwer einschätzen.

Hans Genthe
Redakteur dieser Website
0179.2405996
hans.genthe@evangelischer-bund.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.