Advent ist ziemlich modern

aktuell am 4. Dezember 2021

Erfunden hat den Adventskranz Johann Hinrich Wichern im 19 Jahrhundert

Wenn die Kinder am 1. Dezember das erste Türchen am Adventskalender aufmachen, dann ist Advent. Obwohl er manchmal schon am 27. November beginnt oder erst am 3. Dezember, damit der 1. Advent auf einen Sonntag fällt. Spätestens dann geht es auch um die Frage der Wünsche und Geschenke. Für den Einzelhandel beginnt der Advent schon vor den Herbstferien mit Lebkuchen und Spekulatius, Schokolade und Marzipan. Die Genüsse des Weihnachtsfestes sind schon vorher verfügbar. Einige Menschen warten noch bis Weihnachten, aber seien wir ehrlich: Die meisten naschen schon vorher.

Erst seit dem 16. Jahrhundert ist Advent im Dezember. Tausend Jahre lang zuvor begann der Advent am Martinstag, also am 11. November. Dann folgte eine 40-tägige Fastenzeit bis zum Epiphaniastag am 6. Januar. Man wartete nicht auf’s Christkind, sondern auf den Weltenrichter am Ende aller Zeit. Das waren also acht Wochen abzüglich der fastenfreien Sonn- und Feiertage und damit insgesamt 40 Tage. Denn auch Jesus fastete 40 Tage in der Wüste und das Volk Israel war 40 Jahre in der Wüste unterwegs.

In der orthodoxen Kirche in Ländern wie Russland und Griechenland gibt es gar keinen Advent wie bei uns, sondern ebenfalls eine Fastenzeit, die am 15. November beginnt und am 24. Dezember endet. Weihnachten feiert man dort allerdings auch erst am 6. Januar. Und die ersten Jahrhunderte nach Christus bis ins 6. Jahrhundert hinein gab es kein Weihnachtsfest wie bei uns heute und auch keine Adventszeit.

Unser Advent ist ziemlich modern. Viele unserer Adventsbräuche stammen gerade mal aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Der erste gedruckte Adventskalender erschien 1902. Um 1920 gab es die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen. Und erst seit 1958 ist manchmal Schokolade drin. Den ersten Adventskranz hing Pfarrer Johann Hinrich Wichern 1839 im „Rauhen Haus“ in Hamburg auf. Sein erster Adventskranz war ein hölzernes Wagenrad mit 23 Kerzen – 19 kleine rote für die Werktage bis Weihnachten und vier dicke weiße für die Sonntage. In den orthodoxen Kirchen haben die Adventskränze sechs Kerzen, denn die orthodoxen Christen bereiten sich – wie in alter Zeit – sechs Wochen auf das Fest vor.


Hans Genthe
Autor dieses Artikels
hans.genthe@evangelischer-bund.de

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