Verleihung Hochschulpreise 2026

Prof. Dr. Heidrun Dierk, Vikarin Marie Raschner, Carolin Sigmann,
apl. Prof. Dr. Volkmar Ortmann, Pfrin Astrid Maria Horn (v. l. n. r.)

Einer guten Tradition folgend wurden anlässlich des Johannis- bzw. Sommerempfangs des Konfessionskundlichen Instituts Bensheim und des Evangelischen Bundes Hessen am 19.06. die diesjährigen Hochschulpreise des EB-Hessen vergeben. Das fachkundige und ökumenische Auditorium und die Atmosphäre eines Empfangs bildeten auch in diesem Jahr wieder einen sehr passenden und festlichen Rahmen für die akademische Würdigung herausragender Arbeiten. Prof. Dr. Volkmar Ortmann sprach im Namen der Jury, als er anmerkte, dass trotz sinkender Studentenzahlen doch wieder Arbeiten von erfreulicher Qualität und einer beeindruckenden Bandbreite von Themen eingegangen seien.

So konnte Vikarin Marie Raschner von der zweiten Vorsitzenden unseres Landesverbandes, Pfarrerin Astrid Maria Horn, den Hauptpreis entgegennehmen. Zuvor hatte Volkmar Ortmann die Laudatio von Prof. Dr. Karl Pinggéra verlesen, der leider krankheitsbedingt verhindert war. Mit dem von ihm gewohnten Sprachwitz in der Darstellung lobte er Frau Raschners Mut zur exegetischen Schwerpunktsetzung, die sich im Allgemeinen neben den „üppig blühenden Wiesen systematischer Spekulationen und den farbenprächtigen Beeten praktisch-theologischer Erkundungen“ oft eher wie „Brachland“ ausnimmt. „Wer die Höhenpfade der Exegese durchwandert, muss lernen, sich an kleinen Gebirgsblühern zu erfreuen.“ Aber gerade deswegen vermochte die mit „sehr gut“ bewertete Magisterarbeit an der Universität Göttingen mit dem Thema „Trauer im Johannesevangelium. Beispielhafte Analyse von Aspekten kollektiver und individueller Trauer“ die Jury zu überzeugen. Die Arbeit verbinde in vorbildlicher Weise die gewissenhafte Analyse von Einzeltexten mit einem größeren Thema, das theologisch von Gewicht sei und ein hohes Maß an praktischer Anschlussfähigkeit aufweise. Die Verfasserin bündele schließlich ihre Einzelbeobachtungen mit der Feststellung, dass die im genannten Evangelium untersuchten Figuren einen individuellen Umgang mit Tod und Verlust zeigen, sich aber nicht statisch verhalten, sondern dynamische Veränderungsprozesse durchlaufen. Die entscheidende Wende in diesen Prozessen ergibt sich jeweils aus der Begegnung mit Jesus als dem Offenbarer der göttlichen Herrlichkeit. Die Trauer ist der Ort des Erscheinens dieser Herrlichkeit. Karl Pinggéra zitiert: „Trauer ist im JohEv folglich nicht als Defizit zu verstehen, sondern Jesu eigene Trauer und sein Umgang mit Trauernden verleihen der Trauer Würde und Legitimität.“ Von dieser christologischen Dimension des Themas schlägt die Arbeit eine Brücke zu bedenkenswerten Impulsen, die sich aus der johanneischen Trauerdarstellung für gegenwärtige Trauerbegleitung ergeben können.

Über den Spezialpreis für religionspädagogische Arbeiten durfte sich Carolin Sigmann freuen, die ihre ebenfalls mit „sehr gut“ bewertete Zulassungsarbeit zum 1. Staatsexamen im Fach Religionspädagogik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main aus dem Jahr 2025 eingereicht hatte. Ihr Thema „Interreligiöses Lernen – ein Beitrag zur rassismuskritischen Erziehung im konfessionellen Religionsunterricht?” überzeugte die Jury nicht zuletzt wegen ihres hochrelevanten Themas. Der Verfasserin gelingt es zu zeigen, dass gerade in Anbetracht wachsender religiöser Spannungen und der damit verbundenen Zunahme antisemitischer und islamfeindlicher Tendenzen das interreligiöse Lernen eine unverzichtbare Aufgabe schulischer Bildung darstellt. Die Untersuchung, so die Jury, arbeite die aktuellen religionspädagogischen Theorien und Prozesse auf und mache sie für weitere Diskussionen fruchtbar. Frau Prof. Dr. Heidrun Dierk konnte in ihrer wertschätzenden Laudatio die Zuhörer von der Relevanz der Arbeit überzeugen und herausstellen, warum gerade auch religionspädagogische Untersuchungen im Hessischen Hochschulpreis Berücksichtigung finden müssen. Die Jury schlussfolgert: „Mit der Zuspitzung auf den Aspekt der Rassismuskritik gelingt es der Verfasserin, den aktuellen Stand der Religionspädagogik zum interreligiösen Lernen stringent, differenziert und kritisch darzustellen. Insbesondere der Ansatz des Begegnungslernens wird hervorgehoben und das „Hamburger Modell“ (RUfa) in seinem religionspädagogischen Anliegen sowie den strukturellen Schwächen erörtert.“

Der Hauptpreis ist mit einer finanziellen Zuwendung von 1000 Euro und der Spezialpreis mit 300 Euro verbunden.

Der Evangelische Bund Hessen dankt ausdrücklich allen, die eine Arbeit eingereicht haben, und gewährt dafür eine einjährige Probemitgliedschaft, die hoffentlich in eine bleibende Verbindung und damit Bereicherung unseres Landesverbandes mündet.